100 Jahre SPD Ehingen

Der Rote Seehas zu unserem Jubiläum

 

Hundertjähriges Jubiläum der SPD Ehingen


 

 

Hundert Jahre alt zu werden, kann einen stolz machen über ein so langes Leben, solange die Freude nicht aufgezehrt wird von dem einen oder anderen Zipperlein. Die SPD in Ehingen, an der Donau und am kleinen Flüßchen Schmiech gelegen, feierte jetzt ihr hundertjähriges Bestehen.

Exakt am 27.Juli 1914, also am Vorabend des Ausbruchs des 1.Weltkrieges, gründeten einige Genossen um den Friseur und Perückenmacher Franz Scholl an gleicher Stätte wie die heutige Lindenhalle einen sozialdemokratischen Ortsverein.

Der rote Fuchs geht um“, warnte damals das damalige Lokalblatt „Volksfreund für Oberschwaben“ vor dem „roten Fuchs“, der das schwarze schwäbische Oberland heimsuchen will.

Pate bei der Vereinsgründung war der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Karl Ruggaber, der nach den schweren Zeiten im Konzentrationslager Heuberg bei Stetten am kalten Markt 1936 verstarb. Schon etliche Jahre vor der Gründung des Ortsvereins hatte es diverse Parteiveranstaltungen mit Reden von prominenten Sozialdemokraten in und um Ehingen gegeben:

Den Arbeitern zu Nutz, den Gegnern zum Trutz!“ Am Vorabend des 1.Weltkrieges? Ja, am 28.Juli, erklärt das Kaiserreich Österreich-Ungarn den Krieg gegen das Königreich Serbien nach dem Attentat vom 28.Juni auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Ferdinand bei seinem Besuch in der Stadt Sarajewo.

Die 95-jährige Tochter des Ortsvereinsgründers Franz Scholl, Wally Keppler, beehrte den Festakt zum Jubiläum mit ihrer persönlichen Teilnahme.

Ebenso Luise Schaupp, deren verstorbener Mann Karl Schaupp in Ehingen als Urgestein und Symbolfigur für die SPD gilt.

Eine wahre Glanzleistung vollbrachte Ludwig Dorner, der Redakteur des früher allmonatlich erschienenen „Roten Füchsle“, dem Informationsorgan der SPD Ehingen, in den Wochen und Monaten vor dem Festakt zum 100jährigen Jubiläum. Aus privaten Sammlungen und dem Archiv der Schwäbischen Zeitung zauberte Dorner ein umfangreiches und dickleibiges Meisterwerk der Jubiläumschronik.

ImVergleich mit anderen Jubiläumschroniken von oberschwäbischen SPD-Ortsvereinen sticht die Ehinger Chronik schon von ihrem Umfang und von der lesernahen Aufbereitung des gefunden Materials zur Geschichte der Ehinger Sozialdemokraten bis heute heraus. Wer diese Chronik beziehen möchte, wende sich an Ludwig Dorner in Griesingen(bei Ehingen) oder an die Ortsvereinsvorsitzende Stephanie Bernickel. Zu beziehen als gebundenes Buch, als dicken Ordner, als dünne CD oder in einem USB-Stick vom Rechner heruntergeladen.

Gleichsam einen roten Faden beim abwechslungsreichen Festakt bildeten die akrobatischen Auftritte der Kinder auf der Bühne, aus dem Ensemble der „Circusschule Harlekin“ um Dieter Baumann.

Der Höhepunkt: Ein junger hochtalentierter Bub turnt an der Reckstange zu den eingespielten Rhythmen aus dem Geburtstagskonzert für den weltbekannten Musik-Direktor Karl Jenkins aus Wales in Großbritannien und den eigentümlichen Klängen aus der Elektroharfe, gespielt von der jungen britischen Harfistin Catrin Finch.

Insgesamt dauerte der Festakt in der Ehinger Lindenhalle von der Eröffnung durch Stephanie Bernickel um 11 Uhr bis zum Schlusswort bzw.zur Einladung zum herzhaften Imbiss-Büfett durch den Ehinger SPD-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat,Juri Mangold, pünktlich um 14 Uhr.

Grußworte und kurze Reden trugen der Oberbürgermeister von Ehingen, Alexander Baumann, die SPD-Abgeordnete im Europäischen Parlament(aus Künzelsau), Evelyn Gebhardt, und der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stuttgarter Landtag, Claus Schmiedel(Ludwigsburg), vor. Die Ehrung von 25-,40- und 50jährigen Mitgliedsjubilaren in der Ehinger SPD übernahm die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis.Für jeden Jubilar hatte sie nicht nur Urkunde und Ehrennadel, sondern auch ein paar persönliche Worte zu der Person parat. Als Gäste waren auch der Biberacher Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, der Landrat Heinz Seiffert, die Kreisvorsitzende der SPD im Alb-Donau-Kreis, Heidi Ankner, MdL Martin Rivoir(Ulm),und einige örtliche Mandatsträger auch von anderen Parteien bzw.Wählervereinigungen zugegen.

Hilde Mattheis war eine von über hunderten prominenten Gästen, die die Ehinger SPD für Veranstaltungen oder für Besuche in Firmen und sozialen Einrichtungen einladen konnte in den vergangenen hundert Jahren.Beim Festakt ehrte sie neben Ludwig Dorner besonders auch Clärle Dorner, die 22 Jahre lang den SPD-Ortsverein Ehingen erfolgreich durch die Zeit führte und auch im Kreistag des Alb-Donau-Kreises eine aktive Rolle spielt.

Die engagierte SPD-EU-Parlamentsabgeordnete aus dem nord-württembergischen Künzelsau, Evelyn Gebhardt sprach:Chapeau!

Und bewunderte den Mut der Genossinnen und Genossen vor hundert Jahren, in jenes pechschwarze Milieu in Ehingen hinein eine rote Zelle hineinzupflanzen, gegen alle Widernisse und Gegnerschaften. Claus Schmiedel stellte Beziehungen her zwischen dem damaligen Kampf um das Frauen-Wahlrecht und den heutigen Bemühungen um mehr Frauen in den Vorständen der DAX-Unternehmen, mit oder ohne Quote bzw.um mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Vor hundert Jahren kämpfte die Sozialdemokratie um mehr Bildungsgerechtigkeit in der Schulpolitik, und das tut sie auch heute im Ländle. Schon zu Beginn der Weimarer Republik wollte die SPD Länger gemeinsames Lernen in der acht-jährigen Schule installieren, die bürgerlichen Parteien waren dagegen, und als Kompromiss waren vier Jahre Grundschule entstanden.

Mit Computer-Animation garnierte Ludwig Dorner seinen Vortrag mit bemerkenswerten einzelnen Anekdoten aus der Ortsvereinsgeschichte wie jene, dass kurz nach der so genannten „Machtergreifung“ durch die Nazis“ in fast jedem Ort um Ehingen herum damals eilfertig Hitler-Straßen, Hitler-Bäume, Hitler-Festhäuser usw.aus dem Boden gestampft worden sind.

Es konnte nicht schnell genug gehen, dem Führer mit eigenen Devotionalien aus dem Ort die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Aber vor dem umziehenden „Roten Fuchs“ musste man warnen…..

Wie heißt es treffend auf dem Cover der CD zur Jubiläumschronik:

Die Vergangenheit kennen-die Gegenwart gestalten die Zukunft bedenken…“

Festakte zum Jubiläum eines Ortsvereins sind wichtig, keine Frage, aber genau so wichtig sind gemeinsame Treffen zu der Herausforderung des demografischen Wandels in der Parteiarbeit in den kommenden Jahren.

Oder soll es kein 200jähriges Jubiläum mehr geben?


 

W.Bernhard


 

(mit Wissen und freundlich gewährter Zustimmung von Willi Bernhard)

 

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